Hengaw: Iranische Streitkräfte töten Demonstranten Amirhesam Khodayarifard – Staatsmedien verbreiten „Basij“-Narrativ

01 Januar 2026 22:42

Hengaw — Donnerstag, 1. Januar 2026

Im Zuge der anhaltenden öffentlichen Proteste in der Stadt Kuhdasht in der Provinz Lorestan wurde der örtliche Einwohner Amirhesam Khodayarifard durch direkten Beschuss mit scharfer Munition durch iranische Streitkräfte getötet. In der Folge verbreiteten staatliche Institutionen und regierungsnahe Medien die Darstellung, er sei ein „Basij-Mitglied“ gewesen.

Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Hengaw wurde der 22-jährige Khodayarifard am Mittwoch, dem 31. Dezember 2025, während seiner Teilnahme an Protesten in Kuhdasht angeschossen. Er wurde in medizinische Einrichtungen in Khorramabad gebracht, wo er mehrere Stunden später aufgrund der Schwere seiner Verletzungen starb.

Informierte Quellen und Augenzeugen berichteten Hengaw, dass Khodayarifard an öffentlichen Demonstrationen teilnahm, als er aus kurzer Distanz von einem Angehörigen der iranischen Streitkräfte mit einer Handfeuerwaffe in den Kopf geschossen wurde.

Kurz nach dem Vorfall veröffentlichten staatliche Medien und staatlich angebundene Institutionen Bilder von Khodayarifard und behaupteten, er sei ein „Basij-Mitglied“, das angeblich infolge „gewaltsamer Handlungen von Demonstranten“ getötet worden sei. Videoaufnahmen vom Moment des Schusses sowie Augenzeugenberichte, die Hengaw vorliegen, widersprechen diesen Behauptungen jedoch eindeutig. Sie zeigen, dass er sich unter den Demonstrierenden befand und durch direkten Beschuss iranischer Streitkräfte tödlich verletzt wurde.

Quellen aus Kuhdasht berichteten, dass seit dem Vortag der Gouverneur der Stadt, der Freitagsgebetsleiter sowie staatliche Institutionen, darunter die Revolutionsgarden (IRGC), wiederholt das Haus der Familie Khodayarifard aufgesucht hätten, um sie unter Druck zu setzen, ihren Sohn öffentlich als Basij-Mitglied zu bezeichnen. Laut diesen Quellen wurden die Herausgabe des Leichnams sowie die Erlaubnis zur Durchführung der Beisetzungszeremonie von einem im Fernsehen ausgestrahlten öffentlichen Bekenntnis der Familie zu dieser Darstellung abhängig gemacht.

Hengaw erfuhr außerdem, dass Kuhdasht seit Donnerstag unter verschärfte Sicherheitsmaßnahmen gestellt wurde. Staatliche Stellen haben Aktivisten sowie reichweitenstarke Telegram-Kanäle und Instagram-Seiten gewarnt, keine Informationen über die Umstände der Tötung Khodayarifards zu veröffentlichen.

In den vergangenen Jahren haben iranische Behörden während Protestbewegungen wiederholt ähnliche Methoden angewandt: den Einsatz tödlicher Gewalt in Kombination mit Versuchen, von staatlichen Kräften getötete Demonstranten nachträglich als Angehörige staatlicher Institutionen darzustellen.

Menschenrechtsbeobachter werten dieses Vorgehen als Versuch, die Verantwortung für die Tötung von Demonstrierenden zu verschleiern und Rechenschaftspflicht zu umgehen.

Die landesweiten Proteste und Streiks im Iran begannen am Sonntag, dem 28. Dezember 2025, nach einem drastischen und beispiellosen Anstieg der Devisenpreise, darunter das Überschreiten der Marke von 1.450.000 Rial pro US-Dollar, sowie dem anhaltenden Verfall der Landeswährung. Diese Proteste werden von iranischen Behörden mit Gewalt beantwortet.

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