Mindestens 7.300 Tote in den ersten 34 Tagen des Krieges, darunter 890 Zivilisten — Neunter Bericht von Hengaw
Hengaw – Sonntag, 5. April 2026
Mindestens 7.300 Menschen sind in den ersten 34 Tagen des Krieges zwischen Iran, den Vereinigten Staaten und Israel getötet worden, darunter 890 Zivilisten. Zivilisten machen 12,2 % der Gesamtzahl der Todesopfer aus, während mindestens 6.410 der Getöteten iranische Militärangehörige waren.
Weitreichende Angriffe im Iran
Vom 27. Februar bis zum 2. April richteten Luftangriffe und Raketenattacken der US-amerikanischen und israelischen Streitkräfte Angriffe gegen militärische und staatliche Einrichtungen in mindestens 195 Städten in 27 Provinzen des Iran.
Nach Informationen von Hengaw gehörten zu den Zielen Stützpunkte der Revolutionsgarden, Basij-Zentren, Militärflughäfen, Raketenstellungen, Polizeistationen, Justizeinrichtungen, Geheimdienstbüros, Armeekasernen sowie Hauptquartiere von Spezialeinheiten.
Die höchste Zahl militärischer Verluste wurde in den Provinzen Teheran, Kermanshah, Hormozgan, Lorestan, Alborz, Khuzestan, Isfahan, Kurdistan (Sanandadsch) sowie Sistan und Belutschistan verzeichnet.
Iranische staatliche Institutionen verfolgen eine Politik der „systematischen Verschleierung“, indem sie genaue Opferzahlen zurückhalten und — wenn überhaupt Zahlen veröffentlicht werden — deutlich niedrigere Angaben machen als jene, die durch Untersuchungen vor Ort dokumentiert wurden.
Zivile Opfer
Nach Angaben von Hengaw wurden mindestens 890 Zivilisten getötet, wobei die höchsten Zahlen aus den Provinzen Teheran, Hormozgan, Lorestan, Kermanshah, Fars, Alborz, Ilam und Markazi gemeldet wurden.
Unter den zivilen Opfern bestätigte Hengaw den Tod von mindestens 180 Minderjährigen und 210 Frauen.
Iranische Staatsmedien hatten zuvor berichtet, dass bei einem Angriff auf eine Schule in Minab 167 Kinder getötet wurden. Hengaw konnte bislang jedoch nur die Identität von 58 Opfern bestätigen, darunter 48 Kinder und 10 Erwachsene. Neuere offizielle Angaben reduzierten die Zahl der getöteten Kinder auf 120 und erklärten, dass 47 der Opfer Schulpersonal oder Eltern gewesen seien. Bis heute konnten jedoch nur dieselben 48 Kinder eindeutig identifiziert werden.
Hengaw hat zudem mehrere Berichte erhalten, die bestätigen, dass iranische Streitkräfte sich aus formellen Militärstützpunkten zurückgezogen haben und stattdessen in zivilen Einrichtungen stationiert sind, darunter Schulen, Studentenwohnheime und Moscheen in Wohngebieten. Nach internationalem humanitärem Recht, einschließlich der Genfer Konventionen, können solche Handlungen als Einsatz von menschlichen Schutzschilden gewertet werden und bringen das Leben von Zivilisten in erhebliche Gefahr.
Hohe militärische Verluste in Kurdistan und fortgesetzte Verschleierung von Zahlen
Während der ersten 34 Tage des Krieges wurden mindestens 253 militärische und sicherheitsrelevante Einrichtungen in 37 Städten in den Provinzen Ilam, Kermanshah, Kurdistan (Sanandadsch) und West-Aserbaidschan (Urmia) angegriffen.
Mindestens 1.600 iranische Militärangehörige wurden allein in diesen vier Provinzen getötet, wie aus den Informationen von Hengaw hervorgeht.
Hengaw hat in diesen Gebieten mindestens 109 zivile Todesfälle registriert, darunter 12 Kinder und neun Frauen. Die höchsten Zahlen wurden aus Urmia, Kermanshah, Divandarreh, Ivan-e Gharb, Ilam, Naqadeh und Bukan gemeldet.
In seinem vorherigen Bericht stellte Hengaw fest, dass iranische Streitkräfte und staatliche Stellen konsequent genaue militärische Opferzahlen zurückhalten, insbesondere in Kurdistan. Wenn Zahlen veröffentlicht werden, unterschätzen sie erheblich die vor Ort dokumentierte Realität. Hengaw betont erneut die dringende Notwendigkeit von Transparenz bei der Identifizierung der Opfer sowie den Schutz von Zivilisten gemäß dem internationalen humanitären Recht.
Aufruf zu internationalem Handeln
Unter Bezugnahme auf die Vierte Genfer Konvention zum Schutz von Zivilpersonen im Krieg erklärt Hengaw, dass alle Konfliktparteien verpflichtet sind, klar und eindeutig zwischen militärischen und zivilen Zielen zu unterscheiden.
Hengaw fordert die internationale Gemeinschaft, insbesondere den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sowie Menschenrechtsbeobachtungsstellen, auf, Druck auf die Konfliktparteien auszuüben, die Verschleierungspolitik der Islamischen Republik genau zu überwachen und unverzüglich Schutzmechanismen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu aktivieren.