Iran nimmt mindestens 1.700 Menschen im Zuge eines Kriegsdurchgreifens fest — Exklusivbericht von Hengaw
Hengaw – Samstag, 28. März 2026
Iranische Streitkräfte haben seit dem Ausbruch des jüngsten Krieges zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran mindestens 1.700 Menschen im ganzen Land festgenommen. Dies geht aus Daten hervor, die von der Hengaw-Organisation für Menschenrechte zusammengestellt wurden. Die Festnahmen, die zwischen dem 28. Februar und dem 26. März 2026 dokumentiert wurden, richteten sich gegen Einzelpersonen, zivilgesellschaftliche Aktivisten und Familien, die Gerechtigkeit suchen, und fanden vor dem Hintergrund verschärfter Maßnahmen und weitreichender Internetbeschränkungen statt.
Auf Grundlage von Daten des Statistik- und Dokumentationszentrums der Hengaw-Organisation für Menschenrechte nutzten Streitkräfte, darunter die Geheimdienstorganisation der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), das Geheimdienstministerium und das Kommando der Strafverfolgungsbehörden (FARAJA), die Kriegsbedingungen, um die Atmosphäre der Kontrolle in den Städten zu verschärfen und in diesem Zeitraum Massenverhaftungen ohne Vorlage rechtlicher Haftbefehle durchzuführen. Mindestens 1.700 Menschen wurden von diesen Institutionen festgenommen, und Hengaw konnte bislang die Identität von 70 von ihnen bestätigen.
Anklagen gegen die Festgenommenen und Druck auf Inhaftierte
Iranische Justiz- und Behörden haben die Vorwürfe gegen die Inhaftierten in mehrere Hauptkategorien eingeteilt, darunter Spionage, Handlungen gegen die nationale Sicherheit und mediale Aktivitäten. Die Anschuldigungen umfassen unter anderem das Fotografieren sensibler Orte, das Übermitteln militärischer Koordinaten, die Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten – einschließlich des israelischen Mossad –, den Besitz von Waffen oder Satelliteninternet-Ausrüstung wie Starlink, Versuche zur Organisation von Versammlungen oder bewaffneten Auseinandersetzungen sowie Kontakte zu ausländischen Medien oder Online-Aktivitäten, die als störend für die psychologische Sicherheit der Gesellschaft angesehen werden.
Festnahme von mehr als 300 Kurden während des jüngsten Krieges
Laut den vom Statistik- und Dokumentationszentrum von Hengaw erfassten Zahlen wurden seit Beginn des Krieges bis zum 26. März 2026 mindestens 300 kurdische Menschen in den Provinzen Ilam, Kermanshah (Kermashan), Kurdistan (Sanandaj), West-Aserbaidschan (Urmia) sowie in Teheran festgenommen. Hengaw konnte bislang die vollständigen Identitäten von 25 der inhaftierten kurdischen Personen bestätigen.
Verweigerung fairer Gerichtsverfahren und erzwungene Geständnisse
Die Hengaw-Organisation für Menschenrechte erklärt, dass die iranische Regierung mit Beginn des militärischen Konflikts strenge Einschränkungen und weitreichende Internetsperren verhängt hat, wodurch die Überwachung durch Menschenrechtsorganisationen und die internationale Gemeinschaft erheblich erschwert wurde. Diese nahezu vollständige Informationsblockade hat die Verwundbarkeit der Inhaftierten deutlich erhöht und ernsthafte Bedenken hinsichtlich des Verschwindenlassens und systematischer Folter aufgeworfen.
Der fehlende freie Zugang zu Informationen hat nicht nur die Identifizierung der Festgenommenen extrem erschwert, sondern den staatlichen Institutionen auch mehr Spielraum gegeben, die Repression zu verschärfen und Fälle gegen die Inhaftierten aufzubauen.
Seit den ersten Tagen des Krieges hat der staatliche Rundfunk der Islamischen Republik Iran (IRIB) in fortgesetzter Zusammenarbeit mit Streitkräften und Geheimdienstinstitutionen Videos erzwungener Geständnisse mehrerer Inhaftierter ausgestrahlt. Diese Videos, die unter Einzelhaft sowie starkem psychischem und physischem Druck aufgenommen wurden, besitzen keinen rechtlichen Beweiswert und stellen einen klaren Verstoß gegen Artikel 14 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte dar.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Berichts am 26. März 2026 konnten aufgrund der Internetsperren, der systematischen Behinderung von Informationskanälen und der durch Angst geprägten Situation der Familien die Identitäten der meisten Inhaftierten noch nicht bestätigt werden. Bislang wurden nur 70 Personen identifiziert.
Hengaw äußert große Besorgnis über den Gesundheitszustand und die Haftorte dieser Menschen. Die Nutzung von Gefangenen als menschliche Schutzschilde in militärischen und sicherheitsrelevanten Einrichtungen, die Ziel von Angriffen sind, stellt ein klares Kriegsverbrechen und einen schweren Verstoß gegen die Genfer Konventionen dar. Hengaw hatte zuvor berichtet, dass bei der Bombardierung der Haftanstalt Shahramfar in Sanandaj (Sine) sowie eines Geheimdienstgefängnisses in derselben Stadt mehrere Inhaftierte verletzt wurden.