Raketen- und Drohnenangriffe der IRGC zielen auf zivile Lager und kurdische Oppositionsbasen in der Autonomen Region Kurdistan im Irak
Hengaw – Freitag, 20. März 2026
Nach dem Ausbruch des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und der Islamischen Republik Iran haben die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) eine neue Welle von Raketen- und Drohnenangriffen gestartet. Ziel waren zivile Lager, Wohnhäuser von Familien sowie Stützpunkte iranisch-kurdischer Oppositionsparteien in der Autonomen Region Kurdistan im Irak. Mindestens fünf Peschmerga wurden getötet und mehrere weitere verletzt.
Nach Angaben des Hengaw-Zentrums für Statistik und Dokumentation wurden im Irak mindestens 112 Raketen- und Drohnenangriffe durch die IRGC und mit Iran verbundene Kräfte durchgeführt. Diese Angriffe richteten sich gegen Orte, die mit iranisch-kurdischen Parteien in Sulaimaniyya, Dukan, Koya, Degala, Bahrka, Soran und Khabat in Verbindung stehen. Auch zivile Infrastruktur, darunter Wohngebäude, Schulen, medizinische Einrichtungen und Bibliotheken, wurde getroffen.
Ausmaß der Angriffe und bestätigte Opferzahlen
Laut Hengaw richtete sich der Großteil der dokumentierten Angriffe gegen Lager der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran (PDKI). Auch andere Gruppen wie die Freiheitspartei Kurdistans (PAK), die Komala-Partei des iranischen Kurdistan, die Komala-Partei der Arbeiter Kurdistans sowie die Khabat-Organisation des iranischen Kurdistan wurden wiederholt angegriffen.
Bis Donnerstag, den 19. März 2026, dem zwanzigsten Tag des Krieges, wurden mindestens fünf Peschmerga getötet und mehr als 20 weitere verletzt. Ihr Zustand wird als stabil beschrieben.
Die Identität der Getöteten:
1. Jalal Rashidi — aus Saqqez, verheiratet, Mitglied der PAK (getötet in Erbil)
2. Esmail Rahimi — aus Saqqez, ledig, Mitglied der Komala (getötet in Sulaimaniyya)
3. Omid Vaisi — aus Ravansar, ledig, Mitglied der Komala (getötet in Sulaimaniyya)
4. Eqbal Salehi — aus Saqqez, verheiratet, Mitglied der Khabat-Organisation (getötet in Erbil)
5. Fakhraddin Moradi — aus Sanandadsch, verheiratet, Mitglied der Khabat-Organisation (getötet in Erbil)
Zielorte der Angriffe
Nach Angaben von Hengaw wurden mehrere zivile Lager und Wohngebiete, in denen Familien mit Verbindungen zu kurdischen Oppositionsgruppen leben, in den Provinzen Sulaimaniyya und Erbil angegriffen, darunter:
• Ziviles Lager Surdash in Dukan (Sulaimaniyya)
• Lager Azadi, Amiriyeh und Zawiya Spi in Koya (Erbil)
• Lager in Zargwez und Zargwezle (Sulaimaniyya)
• Zivile Lager in Degala (Erbil)
• Lager Jezhnikan in Bahrka (Erbil)
• Lager Pakshar in Degala (Erbil)
• Lager Bashik, verbunden mit der Khabat-Organisation (Erbil)
Einer der auffälligsten Vorfälle betraf das Haus von Taha Dadali, einem Mitglied der PDKI, in Soran, das von einer Selbstmorddrohne der IRGC getroffen wurde. Dies scheint der erste bekannte Fall eines direkten Drohnenangriffs auf ein Wohnhaus eines Parteimitglieds in einem städtischen Gebiet zu sein und deutet auf eine mögliche Änderung der iranischen Zielstrategie hin – hin zu gezielten Angriffen auf Einzelpersonen in dicht besiedelten Gebieten.
Gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur
Vor-Ort-Berichte von Hengaw bestätigen, dass iranische Streitkräfte gezielt zivile Infrastruktur angegriffen haben, darunter Wohnhäuser, Schulen von Flüchtlingskindern, Gesundheitseinrichtungen und Bibliotheken.
Diese Angriffe haben den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Bildung und medizinischer Versorgung erheblich beeinträchtigt, insbesondere für Kinder und Familien in diesen Gebieten.
Verstöße gegen internationales Recht und Forderung nach Maßnahmen
Hengaw erklärt, dass die Fortsetzung dieser Angriffe, einschließlich der gezielten Angriffe auf politische Flüchtlinge, einen klaren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht darstellt, einschließlich der Vierten Genfer Konvention, und als Kriegsverbrechen gewertet werden könnte.
Durch grenzüberschreitende Angriffe und die gezielte Beschießung von Wohngebieten in der Autonomen Region Kurdistan im Irak setzt die Islamische Republik Iran das Leben von Tausenden Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, ernsthaft aufs Spiel.
Die Hengaw-Organisation für Menschenrechte ruft die internationale Gemeinschaft, den UN-Sonderberichterstatter für den Iran sowie globale Menschenrechtsorganisationen dazu auf, umgehend Maßnahmen als Reaktion auf diese Angriffe zu ergreifen und eine weitere Eskalation zu verhindern.