Proteste im Iran – Hengaw bestätigt mindestens 27 Tote in zehn Tagen
Hengaw –Donnerstg, 8. Januar 2026
Mindestens 27 Menschen, darunter fünf Kinder unter 18 Jahren, wurden getötet und mehr als 1.500 Personen festgenommen. Dies geht aus Daten der Menschenrechtsorganisation Hengaw hervor.
Die vom Statistik- und Dokumentationszentrum der Organisation Hengaw erfassten Zahlen bestätigen die Identität von 27 Personen, die in den vergangenen zehn Tagen durch direktes Feuer von Regierungstruppen getötet wurden.
Unter den Getöteten befanden sich mindestens fünf Kinder unter 18 Jahren. Zwei wurden in Kermanshah, zwei in Azna und eine Person in Qom getötet. Zwölf der Opfer gehörten der Volksgruppe der Luren an, elf waren Kurden.
Aufschlüsselung der Todesopfer nach Provinzen:
• Lorestan: 8 Fälle
• Ilam: 5 Fälle
• Kermanshah (Kermashan): 4 Fälle
• Fars: 4 Fälle
• Chaharmahal und Bakhtiari: 2 Fälle
• Qom: 2 Fälle
• Hamadan: 1 Fall
• Isfahan: 1 Fall
Hengaw hat zudem über 1.500 Festnahmen im Zusammenhang mit den Protesten dokumentiert.
Die Identität von 546 Festgenommenen konnte bisher bestätigt werden.
Unter den bestätigten Personen befinden sich 51 Kinder unter 18 Jahren, 57 Frauen und 220 Kurden.
Dokumente und Videos, die Hengaw erhalten und verifiziert hat, belegen, dass Regierungstruppen scharfe Munition, Gummigeschosse und Wasserwerfer zur Niederschlagung der Proteste eingesetzt haben.
In zahlreichen Fällen, insbesondere in Lorestan, Ilam und Kermanshah (Kermashan), haben Regierungskräfte gezielt mit tödlicher Gewalt auf Demonstranten geschossen und diese vorsätzlich durch Staatsbeamte getötet.
Hengaw, die Organisation für Menschenrechte, bestätigt anhand ihrer langjährigen Dokumentation staatlicher Gewalt in marginalisierten Regionen, dass sich das Vorgehen der Behörden in diesen Gebieten während der aktuellen Proteste deutlich von dem in den zentralen Regionen unterscheidet. Beobachtungen zufolge spiegelt das Vorgehen der Regierung in marginalisierten Gebieten eine militarisierte, kriegerische Vorgehensweise wider. Erschreckende Szenen, die in mehreren Städten Kurdistans dokumentiert wurden, belegen zudem den Einsatz von Methoden, die möglicherweise „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ darstellen.
Weit verbreitete Internetsperren und -störungen in mehreren Regionen haben den Zugang zu Informationen weiter eingeschränkt und die Überprüfung von Opfer- und Festnahmezahlen erheblich erschwert. Die Organisation Hengaw für Menschenrechte äußert tiefe Besorgnis über die Lage der Demonstranten im Iran, insbesondere in marginalisierten Regionen, und fordert die internationale Gemeinschaft auf, diese Verstöße entschieden und verantwortungsvoll zu ahnden.